Conger-Wanderfahrt 2004
 
Friesland

 

 

 


Kurzlogbuch des Bootes “merlin”

 

 

 

Donnerstag, 10. Juni 2004

Nach einer ruhigen Fahrt, die durch einen nicht enden wollenden Stau zwischen deutscher Grenze und Apeldoorn in die Länge gezogen wurde, kamen wir mit ‘merlin’ im Hafen “Tusken de Marren” in Akkrum an. Hafen Akkrum
Bis zur vorgesehenen Steuermannsbesprechung hatten wir noch eine Stunde Zeit, unser Boot ins Wasser zu bringen. Von den anderen Teilnehmern sind einige mit längerer Anreise bereits am Mittwoch eingetroffen. Die Boote schwammen bereits und so konnten wir uns nach einer kurzen Begrüßung voll darauf konzentrieren, unsere ‘merlin’ reisefertig zu machen.

Da die Wanderfahrt immer wieder Spass macht, waren einige bekannte Gesichter aus dem letzten Jahr auch wieder dabei. Hermann und Karin (klar, als Organisator der Fahrt ;-), Karin und Heinz mit ihrem ‘KaTer’, Karl-Heinz mit seiner ‘Dolli’, Hans-Hermann und Gerhild, die im letzten Jahr auf ihrem Piraten ziemlich beengt “wohnten”, hatten diesmal eine Dehler 18 ‘Diamant’ mitgebracht und Axel und Heide fuhren mit ihrer ‘Lütt Briet’ auch wieder mit. Wir, Reinhard und Mathias machten mit ‘merlin’ den Törn zum zweiten mal mit.

Bei Karl-Heinz hatte sich Horst als Vorschoter einquartiert, weil seine eigene Conger noch so neu war, dass sie nicht rechtzeitig “fertig” wurde. Ursula und Robert wurden mit ihrer ‘Scholli’, die bisher nur die echte Nordsee kannte, herzlich empfangen und last but not least kam Nik mit seiner Leisure 17 und Rolf mit auf die Reise.

Trotz Bedenken aus den erfahrenen Kreisen wurde ‘merlin’ direkt vom Auto mit dem Trailer ins Wasser gefahren (normalerweise machen wir das mit vereinten Kräften und einem langen Seil von Hand) - hat aber trotzdem funktioniert, auch wenn manche den Sierra schon als U-Boot gesehen hatten.

Reiseroute 2004Das Wetter war gut, die Sonne schien, obwohl es morgens auf der Hinfahrt ganz anders aussah, nur der Wind kam wie gewohnt aus westlichen Richtungen. (Hermann, da sollten wir mal was dran ändern)
Unser erstes Übernachtungsziel steht wegen dem geplanten Grillabend fest: Woudsend. Also gehts mit Motor los; über den Meinesloot in die inselreiche Gegend um Terhorne, dann mit Fockunterstützung weiter durch den Terkaplester Poelen zur Brücke Heerenzijl.

Nach der Durchfahrt kann auf dem östlichen Teil des Sneeker Meeres, dem Goingarijpster Poelen endlich mal richtig gesegelt werden und manche segeln bis weit in den Noorder Oudeweg hinein in Richtung Langweerder Wielen. Unterwegs fällt auf, dass Karl-Heinz und Horst fehlen und Hermann macht sich auf die Suche

Wir anderen segelten weiter nach Langweer, wo wir im Passantenhaven in der Stadtmitte festmachten. LangweerDort gab es genügend freie Liegeplätze und eine Hafenmeisterin, die uns andeutete, dass später eine Menge heimische Boote erwartet würden und wir dann die Plätze räumen müssten. Bis dahin war noch Zeit und so konnten wir in unserer “Stammkneipe” wie im letzten Jahr Appelgebak met Koffie ordern. Gerhild versuchte sich an etwas undefinierbarem, das sich “Kroket” nannte, aber auf jeden Fall essbar war.

Nach einer Weile kamen auch Hermann und Karin, blieben aber bei den Booten. Wir vermuteten schon, dass sie vom Hafenmeister als Geiseln genommen wurden, weil wir nicht rechtzeitig die Liegeplätze freigemacht hatten (es kamen nämlich schon laufend die einheimischen Boote rein), aber Hermann hatte nur einen guten Bekannten von früher getroffen. Beim Kaffee wurden wir dann von ihm darüber informiert, dass Karl-Heinz und Horst zwar gefunden worden waren, aber Segel gesetzt hatten und dann spurlos verschwunden waren. Tja, sie wurden in Langweer auch nicht mehr gesehen...

Frisch gestärkt ging’s dann weiter in Richtung Janesloot, über den Prinses Margriet Kanaal zum Johan Friso Kanaal, wo wir vor der Jeltesloot-Brücke Jelteslootbrugwarten mussten, bis der Brückenwärter seinen Mittagschlaf beendet hatte. Dummerweise bekamen Ursula und Robert beim Anlassen ihres Motors (der sich durch seinen gewaltigen Durst eh schon negativ bemerkbar gemacht hatte) ein Problem mit der Startzugleine, die sich nicht mehr zurückspulte und so mussten sie von da an von Axel bis nach Woudsend geschleppt werden.

Kurz vor Heeg bogen wir nach backbord in die Nauwe Wijmerts ab und erreichten am späten Nachmittag den Yachthaven De Rakken in Woudsend, wo die “Zeltschläfer” ihre Zelte aufbauten.

Von Karl-Heinz und Horst war bis dahin immer noch kein Lebenszeichen bei uns angekommen und es wurden die wildesten Vermutungen angestellt. “Können keine Karte lesen” (beim erfahrenen Skipper Karl-Heinz, der ja nicht zum ersten mal hier war, eigentlich sehr unwahrscheinlich), “wollen noch etwas von der Welt sehen”, “abgesoffen” und ähnliches. Dazu kam Hermanns Bericht, dass die beiden zwar gefunden worden waren, aber dann die Segel hochgezogen hätten und “auf und davon” waren...

Erst als der Grill bereits angewärmt war und die ersten Würstchen langsam bräunten, kam Karl-Heinz plötzlich zu Fuss aus Richtung Hafenmeister. Als Hermann die 'Dolli' mit ihm und Horst gesucht und gefunden hatte, wollten sie hinter ihm herfahren, aber als er dann um die Ecke war, ist ihnen der Sprit ausgegangen, so daß sie notfallmäßig erst einmal segeln und dann noch ein Stück paddeln mußten, um eine Tankstelle zu finden. An der ersten gab es dann vertrackterweise auch nur Diesel, so daß die beiden noch über drei Kilometer den Kanal weiter hinunterpaddeln/-segeln mußten bis zur nächsten Brücke, wo dann auf der Straße eine "normale" Tankstelle war, wo man normalen Sprit bekommen konnte. Jetzt lagen sie im Campingplatz-Hafen um die Ecke und waren fix und fertig.

So wurde es dann doch noch ein vollzähliger gemütlicher Grillabend mit Grillabend in WoudsendWürstchen, Grillfleisch, einem frisch gemachten (!) Salat und Getränken  für jeden Geschmack. Dummerweise sahen sich die Dosen von Heineken und Limonade sehr ähnlich... ;-)  Und da wir nur eine Bank zur Verfügung hatten, holten Ursula und Robert noch ein paar Campingstühle aus ihrer ‘Scholli’, so dass genügend Sitzplätze für alle vorhanden waren. Weiss der Kuckuck, wo die die herhatten, die müssen einen Keller in ihrem Boot haben, so viel Zeugs war da verstaut.        

 

 

 

Freitag, 11. Juni 2004

Nach einem guten Frühstück mit frisch gebrautem Pulverkaffee, Toastbrot (ungetoastet, aber wir arbeiten dran, einen Toaster aufs Boot zu kriegen ;-), Marmelade und Nutella wird das Zelt abgebaut - wir sind spät dran, die beiden anderen Zelte sind schon zusammengepackt - und auf dem Boot verstaut.

Der Wind ist reichlich frisch und stark und nach einer kurzen Besprechung beschliessen Hermann, Nik und Rolf, erstmal mit Nik’s Leisure einen kurzen Abstecher aufs Heeger Meer zu machen.
Wie sollte es auch anders sein, als sie zurückkamen, berichten sie von Starkwind und für Congers unzumutbar hohen Wellen und es wird beschlossen, heute im Hafen zu bleiben. Das ist vernünftig, weil es mit den vollbeladenen Booten doch ein zu hohes Risiko wäre, bei dem Wetter rauszufahren.

So geniessen wir den Tag in Woudsend. Wir faulenzen auf den Booten und im Hafen rum und bummeln durch den Ort. In Woudsend gibt es einiges zu sehen; Sägemühle zwei funktionierende Windmühlen, von denen eine ein historisches Sägewerk beherbergt, eine Kirche, die zu einem Wohnhaus mit Balkon umgebaut wurde, eine weitere, in der sich ein Restaurant befindet und eine Klappbrücke über den Kanal zu Sloter Meer, vor dem sich direkt eine Kneipe befindet, von dessen Terrasse man beim Bier die wartenden Boote beobachten kann. Da wirds nicht langweilig...

Auf der ‘Scholli’ kam ebenfalls keine Langeweile auf. Nachdem am Abend vorher schon überlegt wurde, ob man sich wohl irgendwo einen Motor leihen könnte, weil der eigene mit den verfügbaren Mitteln und Kenntnissen nicht repariert werden konnte, stellte sich glücklicherweise heraus, dass Karl-Heinz zu Testzwecken einen zweiten Motor mitgenommen hatte, der jetzt in Akkrum in seinem Auto lag. Und Axel hatte seinen Wagen in Woudsend stehen. So wurde der kaputte ‘Scholli’-Motor nach Akkrum gebracht, der Reservemotor geholt und Ursula und Robert bekamen für den Rest der Fahrt Karl-Heinzens Normalmotor und Karlheinz konnte seinen Reservemotor auf Herz und Nieren testen. Man könnte es fast gut geplant nennen ;-)
Erst am Sonntag stellte sich heraus, dass Karl-Heinz bei dieser Aktion in Akkrum die Türen seines Autos sperrangelweit offengelassen hatte und nur durch einen Freund schlimmeres verhindert wurde.

 

 

 

Samstag, 12. Juni 2004

Nauwe WijmertsDa wir sonntags wieder zurück in Akkrum sein mussten und der Wind nur wenig schwächer war als am Vortag, wurde beschlossen, den gleichen Weg in Richtung Akkrum einzuschlagen, den wir auf dem Hinweg genommen hatten. Wir motorten also - wo es ging, auch mit hochgezogener Fock - wieder über die Kanäle zurück.

Vor der Brücke am Janesloot ging es hoch her. Wind von achtern, ‘ne Menge wartende Boote, kaum Anlegestellen - es war reichlich voll und man konnte sehen, wie selbst einheimische Boote mit den Tücken des achterlichen Windes kämpften. Eine Yacht wäre beinahe durch die geschlossene Brücke getrieben worden, konnte sich nur noch kurz vorher “fangen”; ein Poly-Valk, der vor der Brücke keinen Platz zum Festmachen fand, versuchte zurückzukreuzen, kam aber kaum von der Stelle, weil sich ständig eine Fockschot verhakte und der Vorschoter vermutlich noch nie vorher auf einem Segelboot gesessen hatte... Warum macht der nur keinen Motor an? Hätte er das man nur gemacht, dann hätte er (und die Besatzungen der vor der Brücke liegenden Boote) weniger Stress gehabt und hätte mit der hochgeklappten Schraube Hermann nicht die Bordwand angekratzt.

Am Oudeweg hinter der Autobahnbrücke am Langweerder Wielen wurde eine Rast eingelegt. Auf der Backbordseite ist da ein kleiner Marrekrite-Hafen, der leider zur Zeit überarbeitet wird. Die Wiese war umgepflügt und frisch eingesäht und man bekam reichlich Dreck mit an Bord, wenn man an Land ging. Hier sollte das Bild mit dem Poller hin...Ausserdem sollte man in solchen Häfen sein Boot gut festmachen. Dumm nur, wenn man alles richtig macht und es trotzdem nicht funktioniert. Wir lagen so schön nebeneinander zwischen den Pfählen, vorne am Poller festgemacht und plötzlich ein plumpsendes Geräusch und ein Aufschrei von Ursula - das Boot war los. Was war passiert? Kaum zu glauben, aber wahr: den Poller, an dem ‘Scholli’ ganz vorschriftsmäßig vertäut war, hat das Zeitliche gesegnet und er ist einfach und ganz unvorschriftsmäßig ins Wasser gefallen...

Nach einer ausgiebigen Mittagspause, deren Dauer in erster Linie vom auf der ‘Diamant’ bereiteten Drei-Gänge-Menu bestimmt wurde, ging es weiter durch den schon vom Hinweg bekannten Teil des Sneeker Meeres Richtung Terhorne. Da wir wegen dem Wetter - es hat ab und zu geregnet - und der Gischt schon unser wasserdichte Kleidung anhatten, beschlossen Mathias und ich, im Sneeker Meer die Segel hochzuziehen. Mit einem Reff im Segel machten wir dann hoch am Wind einen Teufelsritt durch die Wellen. Das Wasser kam wie aus Kübeln von vorne, seitlich wollte es über den Süllrand ins Cockpit und wir wurden hinterher gefragt, ob wir mit einem Trapez gesegelt wären. So weit haben wir uns (ohne Trapez, nur mit den Ausreitgurten) nach aussen gehängt. Und die Lenzer haben recht gut das übernommene Wasser wieder rausbefördert. Irgendwie kam die Brücke Heerenzijl viel zu schnell auf uns zu....

Nach der Brücke ging es dann mit Landabdeckung etwas gemütlicher in Richtung Terhornster Diep zu unserer letzten Übernachtung auf dem dortigen Campingplatz. Die Zelte wurden wieder aufgebaut, ein Bummel in die Stadt gemacht, wobei die Fussballbegeisterung der Niederländer besonders auffiel. An vielen Stellen wurden Hinweise auf Fernsehübertragungen der bevorstehenden Europameisterschaft gesichtet, im Supermarkt gab es Sonderstände mit Spezial-Bierpackungen, zu Hüten umfunktionierte Megafone, Fähnchen...
Abend in Terhorne
Abends wurden noch einmal in einer gemütlichen Runde die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren gelassen und die letzten Getränke vernichtet.

 

 

 

Sonntag, 13. Juni 2004

Der Sonntagmorgen begann mit einem Frühstück auf dem Boot, an dem  auch viele Spatzen teilnahmen, die so zahm waren, dass sie sogar Brotstückchen aus der Hand pickten.

Auf der Rückfahrt nach Akkrum ging ‘merlin’ rund 200 m vor dem Hafen der letzte Sprit aus und wir trieben ans Ufer. Mit einem guten Schluck aus dem Kanister wurde dann der Motor noch einmal zur Weiterfahrt überredet und wir kamen gut im Hafen an.

Beim Herausholen packten wieder alle verfügbaren Hände mit an und alle Boote Fertig für die Heimfahrtwurden mit einem langen Tau auf ihren Trailern aus dem Wasser gezogen. Sogar das Rotkäppchen wurde so an Land gebracht. Bei ‘Scholli’ mussten einige Liter Wasser aus dem Doppelboden herausgelassen werden. Später wurde festgestellt, dass sich im Schwertkasten eine schadhafte Stelle befand, die vor dem nächsten Einsatz repariert werden muss.
 
Auf der Rückfahrt haben wir uns noch einmal bei McDonalds gestärkt und sind dann ohne Stau bis nach Hause zurückgekommen.

Und Tschüß!



Und hier gehts zu den Bildern  --->

 

 

 

Vielen Dank an Ursula, Robert und Horst für die zur Verfügung gestellten Fotos.
Ein weiteres Dankeschön geht an den ANWB, der uns die Veröffentlichung des Ausschnittes
der ANWB/VVV Waterkaart “B Friesland/Fryslan” genehmigte.


© Reinhard Glotzbach